Den Auftakt bildete am Sonntag, dem 15. März, ein Rahmenprogramm mit Führungen und einem Empfang im Arithmeum. Die eigentliche wissenschaftliche Tagung mit über 100 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft und Industrie fand vom 16. bis 18. März im Universitätsclub Bonn statt. Sie wurde von Professor Stephan Held vom Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik zusammen mit einem Team von 6 internationalen Forscher*innen organisiert.
Die ISPD gilt als eine der führenden internationalen Konferenzen im Bereich der Electronic Design Automation (EDA). Hier treffen Forschende aus Universitäten in den USA, Europa und Asien auf Expert*innen aus der Halbleiterindustrie, um neue Methoden und Algorithmen für den Entwurf moderner Mikrochips zu diskutieren. Entsprechend prominent war die rund 50-prozentige industrielle Beteiligung: Das Who’s Who der Halbleiterbranche war in Bonn vertreten. Unternehmen wie NVIDIA, Apple, AMD, IBM, Infineon und Huawei sowie die führenden Anbieter von Entwurfssoftware Cadence, Synopsys und Siemens entsandten führende Köpfe ihrer Entwicklungsabteilungen.
Fortschritte in der Entwurfsautomatisierung sind eine zentrale Voraussetzung für leistungsfähigere und energieeffizientere elektronische Systeme – von Smartphones über Rechenzentren bis hin zu Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI). Gleichzeitig wurde auf der Konferenz intensiv darüber diskutiert, welche Rolle KI künftig selbst im Chipdesign spielen kann. Zwei Keynotes von Leon Stok (IBM) und Prith Banerjee (Ansys/Synopsys) sowie eine Podiumsdiskussion widmeten sich insbesondere der Frage, ob und wie agentenbasierte KI in der Entwurfsautomatisierung eingesetzt werden kann. Dass diese die Bedienbarkeit der größtenteils hochkomplexen Programme vereinfachen werden und schon vereinfacht haben, gilt als gesetzt; ob sie die Kernalgorithmen aus der kombinatorischen Optimierung selbst maßgeblich verbessern können, ist dagegen unsicher.
Neben KI wurden viele aktuelle Herausforderungen im Chipdesign zu adressiert – etwa in den Bereichen 3D-Integration, photonische Schaltkreise, neuromorphes Rechnen und Quantenchips. In seiner Keynote am Montagnachmittag machte Dr. Thomas Stammler – CTO von Carl Zeiss SMT – deutlich, dass die Herstellung moderner Computer-Chips mit EUV-Belichtung derzeit nur mit Hilfe der hochpräzisen Spiegel aus Deutschland möglich ist. Ein besonderer Höhepunkt der Konferenz war die Verleihung des ISPD Lifetime Achievement Award am Dienstag an Professor Jens Lienig (TU Dresden). Neben zahlreichen Forschungsarbeiten insbesondere im Bereich der Elektromigration hat er mehrere Lehrbücher über die Entwurfsautomatisierung verfasst.
Die Ausrichtung der Konferenz war und ist zugleich eine internationale Anerkennung für die Forschungsarbeit des Forschungsinstituts für Diskrete Mathematik der Universität Bonn, das weltweit für seine Beiträge zu Optimierungsverfahren und Algorithmen im Chipdesign bekannt ist. Das Institut hat sich über Jahrzehnte als eines der weltweit führenden Zentren für kombinatorische Optimierung, diskrete Mathematik und deren Anwendungen im Chipdesign und in der Tourenplanung etabliert. Es ist Teil des Exzellenzclusters „Hausdorff Center for Mathematics“.
Die Bonner Forscher*innen arbeiten seit fast 40 Jahren eng mit IBM zusammen. Diese ursprünglich von Bernhard Korte initiierte Kooperation wird heute von den Professoren des Instituts – Jens Vygen, Stefan Hougardy und Stephan Held – gemeinsam mit einem großen Team weitergeführt und erweitert. Ziel ist es, mathematische Methoden für praktische Anwendungen in der Mikroelektronik zu entwickeln und nutzbar zu machen – ein Forschungsgebiet von zentraler Bedeutung für die globale Halbleiterindustrie. Im Rahmen dieser Kooperation schloss sich am 19. und 20. März ein Workshop über die Effektivitätssteigerung im Prozossor-Design an.